Leitung: Franz Baumgartner und Adrian Zeller
TN: Simone, Denise, Chantal, Dieter, Thomas, Adrian, Urs, Martin, Paul, Tom
Es ist ein schönes Wochenende angesagt. Schon in den Zügen sind auch Stehplätze bald Mangelware. So treffen wir ÖV-ler um halb neun in Oey ein, wo wir von den Automobilisten empfangen werden. Leider mussten kurzfristig noch einige Personen krankheitsbedingt absagen, sodass wir nur eine kleine Gruppe von 12 Personen sind. Mit den PW’s fahren wir nach Schwenden, wo Franz mit uns bei Kaffee und Gipfeli das Lawinenbulletin analysiert und uns die verschiedenen Hilfsmittel auf White Risk näherbringt wie thematisches Lawinengelände und Gefährdung Lawinengelände. Detailliert schauen wir die Einzelhangbeurteilung an und machen uns mit dem Risk Check mit Daumen vertraut (hoch, tief, waagrecht). Anschliessend starten wir zum praktischen Teil nach einer doppelten LVS-Kontrolle. Erfreulicherweise zeigt sich auch im Talboden die Sonne und wir steigen in der ganzen Gruppe zur unter Hütte auf dem Alpetli auf, wo wir eine Pause einlegen. Simone versorgt uns mit den aktuellen Resultaten des Lauberhornrennens und alle freuen sich über die gelungenen Fahrten von Franjo von Allmen und Marco Odermatt. Nach der Verpflegung trennen sich die Gruppen. Mit Franz suchen wir für den Aufstieg unberührten Schnee, um möglichst viele Informationen über die Schneedecke zu erhalten. Vor dem steilen Hang unterhalb der oberen Alpetli-Hütte nehmen wir eine umfassende Einzelhangbeurteilung vor und suchen die besten Aufstiegsvarianten auch bei höherer Lawinengefahrenstufe. Bei der Hütte drehen wir nach Süden und überwinden den nächsten steilen Hang bis zum ersten Bödeli auf ca. 1880 m, wo wir dann in südwestlicher Richtung mehr oder weniger flach durch eine fast unberührte und traumhafte Winterlandschaft ziehen, alles in der Sonne. Auch dabei beurteilen wir laufend die Hänge linksseitig über uns, die weiter oben in Felsen übergehen. Pt. 1975 umgehen wir östlich und fahren in die Mulde ab, wo wir auf die Gruppe mit Adrian treffen. Noch ein kurzer Wiederaufstieg und wir haben die Scheidegg Pt. 1991 erreicht. Es folgt ein kurzer Abstecher zum Felsloch nördlich oberhalb des Passes. Angesichts der fortgeschrittenen Zeit – es ist mittlerweile 16.00 Uhr – verzichten wir auf den früher noch ins Auge gefassten Aufstieg Richtung hinderi Spillgerte. Über tolle Hänge fahren wir ab, bevor wir flach zur Fromatthütte hinüberqueren. Hier richten wir uns ein, geniessen draussen die Sonne und drinnen wird richtig eingeheizt. Während des Apéros zaubert Dieter ein feines Pasta-Menu aus der Küche und schon bald sind alle an den Tischen vereint bei Essen, Tee und Rotwein. Vor dem Dessert schauen wir uns die Siegerehrung in Wengen auf dem Handy an. Danach gibt es Schoggimousse (mmh!!) und Kaffee. Bei intensiven Gesprächen über die Risiken bzw. deren Minimierung und das Verhalten auf Skitouren geht die Zeit schnell vorbei. Fazit der Diskussionen: ein Problem unterwegs kannst du noch bewältigen, aber zwei sind schon deutlich zu viel: eine sehr wichtige Überlegung für die Tourenplanung und die laufende Beurteilung unterwegs.
Tagwache um 07.30 Uhr nach einer praktisch schnarchfreien Nacht. Dieter hat das Zmorge schon vorbereitet. Aufräumen, abwaschen, packen, putzen gehen zügig voran, sodass alle um 09.00 Uhr bereit stehen für den zweiten Kurstag. Das Lawinenbulletin meldet nun mässig +, doch eine wesentliche Erhöhung gegenüber dem Vortag, zurückzuführen auf die starken Winde und dem damit entstandenen Triebschnee in der Nacht. Das erste Ziel heute ist ein Sattel im Nordostgrat der hinderi Spillgerte. Wir ziehen etwas oberhalb der gestrigen Abfahrtsspuren über den Lilieboden und unter der Scheidegg durch. Bald wird das Gelände steiler und wir montieren die Harscheisen. Dabei überlegen wir uns eine möglichst günstige Aufstiegsroute. Diese führt uns südlich auf ein Bödeli. Wiederum Beurteilung der Hänge über uns, denn wir sind nun definitiv im Gelände mit Triebschnee angekommen: einschätzen der Wahrscheinlichkeit einer Schneebrettauslösung und der Konsequenzen, mögliche Massnahmen und festlegen weitere Routenwahl. Wir ziehen noch etwas hoch und drehen dann nach links in nordöstlicher Richtung. Dann knapp unterhalb des Grates eine erneute Standortbestimmung zur günstigsten Route. Nach wenigen Kehren wird es so steil, dass wir den Rest zu Fuss aufsteigen. Auf dem Grat geniessen wir die schöne Aussicht, Franz präpariert noch den Aufstieg auf den nahegelegenen „Gipfel“. Die Gruppe mit Adrian folgt schon bald. Sie hat eine andere Route gewählt und das Gelände so ausgenützt, dass sie mit den Skis bis auf den Grat aufsteigen konnte. Wir gönnen uns eine Foto- und Verpflegungspause, bevor es an die Abfahrt geht. Schon beim Aufstieg haben wir nach möglichen Varianten Ausschau gehalten. Wir ziehen rechts in den wirklich steilen Westhang hinein. Franz prüft zuerst die Verhältnisse. Nach seinem OK fahren wir einzeln ab. Windgepresster Schnee wechselt sich mit Pulver ab, alles auf harter Unterlage, was ordentlichen Kanteneinsatz verlangt. Die andere Gruppe fährt entlang der Aufstiegsroute ab. Oberhalb der Scheidegg queren wir nach rechts und fahren bei feinen Verhältnissen in die Mulde hinter der Scheidegg ab. Felle montieren und nun folgt der steile Aufstieg mit vielen Spitzkehren durch das Couloir Richtung Mariannenhubel, eine recht schweisstreibende Angelegenheit. Etwas unterhalb des Mariannenhubels findet Franz eine schöne Triebschneeformation. Wir erstellen ein Schneeprofil und prüfen die Stabilität mit mehreren erweiterten Säulentests (ECT), um die Bruchausbreitung zu erkennen. Diese Tests sind sehr aufschlussreich und helfen viel in der Beurteilung der Lawinengefahr. Während wir auf den Gipfel des Mariannenhubel aufsteigen, hängt die andere Gruppe noch eine Lawinenverschütteten-Suchübung an. Wir geniessen die Aussicht und die Zwischenverpflegung, bevor wir durch das Chelli auf das untere Alpelti abfahren. Wir finden tatsächlich noch unverfahrenen Pulverschnee. Hier führen auch wir noch eine Verschütteten-Suchübung durch. Die Gruppe von Adrian trifft ein und wir machen wir uns gemeinsam auf ins Tal, wo der Kurs im Restaurant Spillgerten seinen Abschluss findet. Fazit: wieder viel gelernt und aufgefrischt, um im Winter möglichst sicher unterwegs zu sein. Danke Franz und Adrian!